Freitag, 9.Mai 2008 – 1.Tag
Sydney à Kangaroo Island
Unsere Reise beginnt Freitag morgens. Wir haben nicht gerade viel geschlafen, denn gestern Abend war das Abschieds-Dinner für gewisse Jahrgänge und uns abroad students mit anschließender Party in Manly. Ich quäle mich gegen 6.30Uhr aus dem Bett. Um 10Uhr sollen alle Studenten ausgecheckt haben. Nathalie und ich wollen die ‚Auscheck-Schlange’ umgehen, damit wir nicht noch im schlimmsten Fall nicht rechtzeitig zum Flughafen kommen, unseren Flug verpassen und wir dann somit unsere ganze detailliert geplante Reise in die Tonne treten können....
Nathalie ist vor mir fertig und hilft mir meine letzten Sachen zusammenzupacken. (Eigentlich fliegt gar nicht mehr so viel beim mir herum, da Nathalie und ich gestern schnell unser ‚Großgepäck’, was nicht mit auf Reisen gehen soll, in meiner Wohnung abgestellt haben. Auf unserem Flur sind überall heulende Amerikanerinnen, die (wahrscheinlich gerade erst von der Party zurück) den Flur auf- und ablaufen und lautstark mit wehleidiger (leider sehr lauter) Stimme verkünden, wie traurig, dass alles wäre, dass die Zeit hier jetzt um sei und wir uns alle ja niiieeee wiiiieeeeder sehen würden... Auch Nathalie und ich fallen einigen Amerikanerinnen in die Finger, die uns herzen, vollschluchzen und sich einfach sooooo gefreut haben uns kennengelernt zu haben (auch wenn sie nicht einmal unsere Namen wissen). Schließlich stehen Nathalie und ich , flankiert von Rike und Vera an der Einfahrt zum College und warten auf unser Flughafenshuttle.
Das Taxi kommt, Nathalie und ich fahren, Vera und Rike bleiben zurück. Ihnen bleibt noch etwas Zeit, bevor auch Sie beide zum Flughafen müssen. Rike fliegt nach Hause, Vera nach Dubai zum Praktikum.
Unser erster Flug (wir haben insgesamt vor vier Mal während unseres Trips zu fliegen) bringt uns nach South Australia, genauer gesagt nach Adelaide. Nathalie war schon einmal hier, zum Beach-Volleyball gucken. (Habe schon wieder vergessen, wie das Turnier hieß, ich weiß nur noch, dass swatch Sponsor war und dass ein deutsches Team ebenfalls gespielt hat. Witzigerweise haben die beiden Herren fleißig bei uns in Manly am Strand trainiert, so dass wir ein wenig unauffällig zuschauen konnten). Wir profitieren jetzt von Nathalies Ortskenntnissen und landen schnell dort, wo wir hinwollen. Wir sind nur viel zu früh da. Deshalb setzten wir uns vor einen Pub in die Sonne (wir sind die einzigen Gäste) und nehmen einen kleinen Mittagsimbiss zu uns. Schließlich zuckeln wir zum gegenüberliegenden Busbahnhof, wo wir in einen Bus einsteigen, der uns in eineinhalb Stunden zur Fährstation für Kangaroo Island bringt.
Im zweiten Semester hatten wir die Vorlesung Tourismus- und Freizeitmärkte bei Herrn Peltier. Als Fallbeispiel hatten wir unter anderem Kangaroo Island bearbeitet, deshalb haben Nathalie und ich uns entschlossen diese Insel als Stopp mit in unsere Reiseroute aufzunehmen.
Es ist schon dunkel, als wir gegen 18.00Uhr die Fähre nehmen. Als wir die Fähre verlassen, befinden wir uns in Penneshaw. Leider haben wir überhaupt keine Orientierung, da es stockdunkel ist, aber ein freundlicher Fährmitarbeiter sieht trotz Dunkelheit unsere ratlosen Gesichter und erklärt uns, dass es zum Hostel nur 5 Minuten sind und dass wir den linken Weg einfach entlang gehen sollen. Wir sind wirklich keine 5 Minuten später am Hostel, wo uns ein sehr freundlicher Herbergsvater in Empfang nimmt. Wir sind die ersten, die einchecken und haben somit freie Bettwahl. Auch eine Karte, die uns zur ersten Orientierung dienen soll, bekommen wir vom Herbergsvater persönlich skizziert. Im Großen und Ganzen hat Penneshaws ‚Stadtkern’ nicht wirklich viel zu bieten. Folgt man der Straße hinter dem Hostel kommt rechts ein Cafe (geschlossen), rechts das örtliche Businesscentre, das nur aus der Post und einem Marklerbüro besteht (geschlossen). Gegenüber vom Businesscentre ist der örtliche Supermarkt mit Getränkeshop (hat noch eine halb Stunde auf). Dem Straßenverlauf weiterfolgend kommt man rechts an der Tankstelle und links am Pub/Restaurant vorbei. Jetzt befindet man sich auf der Straße parallel zum Hostel. Hier gibt es ein Hotel, einen Fish and Chips Laden (schließt gerade) und einen Pizza-Laden. Die weitere Straße mündet am Fähranleger.
Das ist Penneshaw. Wie wir die nächsten zwei Tage feststellen werden, ist es hier ‚sehr ruhig’. Die Pizzeria hat sogar bis halb neun geöffnet, deshalb entschließen wir uns Pizza zu Abend zu essen. Auf unserem Rückweg zum Hostel sehen wir kleine Penguine, die auch Fairy (also Märchen) Pinguine genannt werden, ab und an neben der Straße entlang watscheln. Selbst wenn man sie nicht sieht, kann man sie durch die Stille hindurch die ganze Zeit schnattern und fiepen hören (oder was immer Pinguine auch für ein Geräusch machen).
Samstag, 10. Mai 2008 – 2.Tag
Kangaroo Island
Für heute haben wir eine Tour gebucht. Mit dem Veranstalter ist vereinbart, dass wir um 9.25Uhr vom Hostel abgeholt werden. Frühstück besorgen wir uns die Straße hoch im Supermarkt (der ja von 8Uhr bis 20Uhr geöffnet hat). Der Tourbus, der uns abholt, gleicht einem Graf-Reisebus, nur das der Anbieter hier Sealink heißt. Nathalie und ich verstehen auch direkt, warum wir in so einem großen, recht sperrigen aber komfortablen Bus auf Tour gehen. Unser erster Stopp ist direkt am Fähranleger (da hätten wir gerade noch hinlaufen können...). Hier holen wir den Rest der Gruppe, der sich auf der herannahenden Fähre befindet, ab. Das Durchschnittsalter der restlichen Gruppenmitglieder schätzen Nathalie und ich auf ungefähr 66. Aber wie heißt’s so schön: Mit 66 Jahren....
Wir sind nun vollzählig. Dass es auch Vorteile hat, wenn man mit einer etwas reiferen Reisegruppe unterwegs ist, ist für uns auch schnell klar. Zum einen spricht unser Busfahrer Dave laut und deutlich, zum anderen machen wir überdurchschnittlich viele Klo-Pausen...
Unser erster Stopp nach circa eineinhalb Stunden Fahrt ist die Seal Bay. Hier darf man unter Aufsicht eines Rangers unglaublich nah an den Strand zu den Robben. Die meisten dösen sowieso in der Sonne und scheinen sich an unsere Anwesenheit kaum zu stören. Nur die kleineren sind neugieriger und robben sogar in unsere Richtung, was für uns heißt „Schritt zurück“, damit sich die Robbenmutter keine Sorgen machen muss. Unserer nächster Stopp ist zum Mittagessen. Wir essen in einem sehr modernen Speisesaal, der wohl extra für die Fütterung der Touris gebaut wurde. Dann geht es zu Fuß (ca 5 Minuten – man möchte die Reisegruppe ja nicht überfordern) ‚um die Ecke’ zur Bird Show. Als wir wieder im Bus sitzen und durch den ‚Bush’ fahren, kann man ganz deutlich das Ausmaß der letzten Brände, die durch Blitzeinschlag verursacht wurden sehen. Das scheint allerdings wohl normal zu sein, denn man kann jetzt schon sehen, wie sich die Bäume, Büsche und Pflanzen regenerieren. Ganz deutlich sieht man es bei den Bäumen, die einfach ihre äußere Rinde abpellen lassen - Darunter ist ein neuer schöner Baum.
Als wir bei den ‚Remarkable Rocks’ anhalten, regnet es. Nicht so tragisch, denn dadurch spannt sich ein Regenbogen direkt über den Rocks. Wenn das mal nicht „remarkable“ ist...
Weiter geht’s zum Admirals Arch. Warum dieser Felsbogen so heißt habe ich vergessen... Allerdings wimmelt es hier nur so von Seelöwen und zwar australischen und neuseeländischen. Die einen sind mehr braun und die anderen mehr schwarz. Ich habe blöderweise auch vergessen, welche Seelöwen-Nationalität welche Fellfarbe hat. Wieder zurück in Penneshaw verirren Nathalie und ich uns wieder in die Pizzeria. Die Besitzer erkennen uns sofort wieder (was auch nicht so verwunderlich ist, da wir gestern anscheinend die einzigen nicht einheimischen Gäste in der Pizzeria waren). Gestärkt machen wir uns auf den Weg zum Penguin Centre, das übrigens genau zwischen Fähranleger und Hostel liegt. Hier machen wir mit einer Schwedin und einem betagten Einheimischen eine Pinguin-Führung mit. Die Pinguine sind nämlich zur Straße hin eingezäunt, damit sie von den Autos, die die Fähre verlassen oder in deren Bauch fahren nicht platt gemacht werden. Wir laufen über eine Art Boardwalk (Holzsteg) und sind mit speziellen Taschenlampe ausgestattet, damit die Pinguine nicht geblendet werden. Wir haben sogar Glück und sehen den berühmten „Penguin-Kiss“ (Eigentlich ist mehr ein gegenseitiges mit dem Schnabel an Hals und Kopf Kratzen, sieht aber trotzdem sehr knuffig aus) Witzigerweise stehen die meisten Pinguine vor dem Türchen, was sie von der Straße trennt... Wir quetschen uns also wie im Streichelzoo durch das kleine Gatter, stets darauf bedacht, dass zwischen unsere Beine hindurch kein Pinguin hüpfend auf die Straße entwischt.
Zurück im Hostel wollen wir den Herbergsvater nach Mietfahrrädern fragen, denn im Lonely Planet (mein Reiseführer) steht, dass man im Hostel selbst Fahrräder mieten kann. Als wir fragen, lacht sich unser Herbergsvater kaputt und sagt, dass das theoretisch stimme, er aber vor 8 Wochen beschlossen habe, dies nicht mehr anzubieten, da die Versicherung erhöht worden wäre. Er zeigt uns sogar noch den schlecht ausgewischten Platz auf der Tafel, die Vorschläge aufweist, was man in Penneshaw so Tolles unternehmen kann. Jetzt da er das Fahrrad-Mieten nicht mehr anbietet, fügt er hinzu, würden andauernd Leute danach fragen. Da das mit dem Fahrrad mieten für den morgigen Tag wohl nichts wird, vertraut er uns seine Wanderkarte an und empfiehlt uns einen Weg bis zum Ende der Bucht, wo man dann auch Wallabies und vielleicht sogar Delphine sehen könne. An diese Karte werden wir uns morgen halten, um die Umgebung von Penneshaw (zu Fuß) zu erkunden.
Sonntag, 11. Mai 2008 – 3.Tag
Kangaroo Island à Adelaide
Nach ausgiebigem Frühstück im Garten des Hostels stiefeln wir los, den vom vergangenen Abend empfohlenen Wanderweg zu erkunden. Erst geht’s den Strand entlang, dann folgen wir vorbei an sämtlichen Ferienhäusern Pennshaws der Straße. Schließlich landen wir auf dem ‚richtigen’ Wanderweg. Da es sich um einen kleines Reservat handelt, werden wir auf Schildern angehalten, uns bitte die Schuhe abzuputzen, damit wir nicht irgendwelche Sporen auf dem weiteren Pfad mit uns mitschleppen, die dann die Pflanzen zerstören könnten. Wir streifen uns also mit wunderschönem Blick aufs Meer an einer Fußputzmatte, die mitten auf dem Pfad festgenagelt ist, die Schuhe ab und setzten unsere kleine Wanderung fort. Den letzten Teil des Weges wird es schattiger, da hier kleine Büsche und Bäume stehen. Hier sehen wir auch unsere ersten Wallabies in freier Wildbahn. Unter ihnen ist sogar ein kleines Albino-Wallaby, das sich in einem Busch direkt am Weg postiert hat und zuguckt, wie wir vorbeischnaufen. Der Weg endet auf einer Art Lichtung. Hier können wir sowohl Penneshaw sehen, dass jetzt winzig klein in der Bucht liegt als auch das Festland. Leider sehen wir keine Delphine, aber wir haben immerhin ein Albino-Wallaby gesehen! Eben dieses sitzt immer noch an seinem angestammten schattigen Plätzchen als wir ein zweites Mal, dieses Mal auf unserem Rückweg, vorbeikommen. Rundweg Nummer eins von dreien haben wir nun schon hinter uns und wir haben weniger als 2 Stunden gebraucht. Also laufen wir schnell noch die zwei anderen Rundwege innerhalb von Penneshaw ab (Hier ist sogar ein Golfplatz - wer hätte das gedacht). Es ist jetzt circa zwei Uhr und wir haben unser vorgenommenes Tagespensum schon abgearbeitet. Was nun? Unsere Fähre fährt erst um sieben. Wir haben demnach noch fünf Stunden zu füllen... Als erstes landen wir im Penguin Stop Cafe, das praktischerweise geöffnet hat und wir verbringen einige Zeit damit draußen zu sitzen und eine heiße Schokolade und einen Capuccino zu schlürfen. Wir machen uns auf den Weg zurück zum Hostel, was keine 2 Minuten in Anspruch nimmt. Leider können wir nicht ins Internet, da man dies bezahlen muss und laut Schild der Herbergsvater erst in zwei Stunden wieder zurückkommt. Also bleiben wir im „Wohnzimmer“ des Hostels, kuscheln uns in die Sessel und durchstöbern Magazine, die zwischen 3 Monaten und einem Jahr alt sind. So kriegen wir auch wieder etwas Zeit herum. Wir laufen zur Pizzeria, aber die ist noch geschlossen. Also überbrücken wir die nächste Stunde mit einem Gläschen Wein beim örtlichen Winzer und checken im Anschluss unsere emails am Computer des Herbergsvaters persönlich. Bevor es auf die Fähre geht, machen wir noch einen kleinen Abstecher zur Pizzeria und essen dort ein letztes Ma(h)l. Die Fähre bringt uns zurück nach Cape Jevis. Hier steigen wir, wie auch schon auf dem Hinweg, in den Bus um, der uns zurück nach Adelaide bringt. Schließlich sind wir am Hostel und haben sogar ein Zimmer nur für uns. Bevor wir endlich ins Bett fallen, laufen wir noch einmal schnell um den Block zum nächsten Geldautomaten und statten uns beide mit einer 1,5Liter Flasche Wasser aus, denn morgen beginnt unsere 6-Tage Safari ins Outback!