So, wird mal wieder Zeit, dass ich berichte!
Jetzt bin ich schon eine Woche im International College of Management Sydney; kurz: ICMS.
Da das College angeblich Hogwarts ähnelt, nennen es einige Harry Potter Castle. Übrigens: Nicole Kidman hat hier geheiratet. Direkt neben dem College schließt nämlich die Cerutti Chapel an.
Doch am Besten fange ich am Anfang der Woche an und wage einen kurzen Rückblick.
Montag haben wir unserer Hostel verlassen. Leider konnten uns die Typen an der Rezeption vom Hostel kein Taxi rufen (das macht man hier anscheinend nicht). Deshalb sollten wir uns einfach mit unserem „leichten“ Gepäck an die George Street stellen, warten bis ein Taxi vorbeifährt und dieses dann heranwinken. Zu sechst und aufgrund unseres Gepäckumfangs brauchten wir allerdings drei Taxis... Erstaunlicherweise dauerte es keine fünf Minuten bis wir je zu zweit in einem Taxi saßen. Das Taxi-Heranwinken war unproblematischer als ich zunächst gedachte hatte.
Das nächste „Problem“ war nun allerdings, dass die Taxifahrer der Englischen Sprache, wenn, dann nur ansatzweise mächtig waren und auch den Weg zum College nicht wirklich kannten. Rikes und Veras Fahrer fragte die komplette Fahrt hindurch, ob sie auf dem richtigen Weg wären. (Er verstand nicht, dass die beiden noch nie zuvor in Manly gewesen waren.) Unser Taxi fuhr bloß Rikes und Veras hinterher. Jutta und Andrea fuhren später als wir los, waren komischerweise allerdings schon da und checkten ein, als wir endlich auf die Einfahrt des Colleges einbogen. Das Einchecken war recht problemlos. Die Studenten, die uns begrüßten und auf unsere Zimmer brachten, waren alle unheimlich nett. Wir bekamen allerhand Zeugs für unter anderem die anstehende Orientation Week in die Hand gedrückt. Auch einen Umschlag mit Fitnessstudio-Ausweis sowie Namensschild, das mit der Uniform und sonst eigentlich auch zu tragen ist. Auf meinem Umschlag stand Lotte Mueller, auf meinem Namensschild allerdings Ellen Mueller.... Relativ problemlos (das heißt insgesamt fünf Studenten bemühten sich um mein neues Namensschild) bekam ich ein Neues mit meinem korrekten Namen.
Mit meinem Zimmer habe ich wirklich Glück. Ich bin auf der „richtigen“ Seite gelandet, d.h. ich schaue „vorne“ raus. Mein Zimmer ist auf Höhe des Balkons, an dem die ganzen Flaggen hängen. Ich schaue direkt auf die Flagge der US of A. Dahinter kann ich auf ganz Manly gucken. Gucke ich leicht nach rechts, sehe ich den Strand, schaue ich nach links oder sitze auf meinem Bett, sehe ich den Hafen. Ich bin außerdem in einem der wenigen Räume gelandet, die wlan auf dem Zimmer haben, da ich nah genug am Computer Laboratory bin. Muss also, wenn ich ins Internet will, nicht immer in den Computerraum laufen, sondern kann mit meinem Laptop auf dem Bett sitzend im Netz surfen. Im Großen und Ganzen habe ich also mit meinem Zimmer echt Schwein gehabt. Nur das Klo ist relativ weit weg. Mittlerweile habe ich mich aber schon dran gewöhnt loszulaufen bevor ich richtig doll muss....
Auf meiner Seite des Flurs teilen wir uns drei Duschen und ein Klo mit knapp zwanzig Zimmern. Aber irgendwie klappt das ganz gut und das Housekeeping Team putzt sehr fleißig. Bin so gut wie immer alleine im Bad....
Habe halb Amerika und Schweden bei mir auf dem Flur. Die Mädels sind allerdings aller sehr freundlich, wenn auch manchmal ganz schön laut. (Habe aber Ohropaxs dabei ;) )
Dienstag
Heute morgen sind wir offiziell zur Orientation Week begrüßt worden und haben unseren „Chef-Animateur“ kennengelernt. Er heißt Tony Henry ist so Mitte bzw. Ende dreißig und organisiert verschiedenste Aktivitäten, um die Studenten hier zu bespaßen...
Später habe ich mich brav mit Rike in die Schlange zum Uniform Fitting gestellt. Es ist wirklich unglaublich: Chinesen können einfach nicht Schlange stehen. Egal wo die sind, sie drängeln sich immer vor, indem sie einfach an den Anfang der Schlange laufen und sich dort hinstellen; so als ob es das natürlichste und selbstverständlichste der Welt wäre. Naja, jedenfalls besteht meine Uniform als Abroad Student aus einem Blazer und zwei Röcken.
Abends fand in der Great Hall der Welcome Cocktail statt. Dafür fiel blöderweise das Abendessen aus und wir durften, um nicht vor Hunger umzukommen, hinter den Tabletts mit den Häppchen herjagen...
Mittlerweile haben wir auch alle anderen Deutschen, die dieses Jahr am College studieren aufgegabelt.
Mittwoch
Heute hatte ich meine Computereinführung. Es hat zwei Stunden gedauert, obwohl man alles in 15 Minuten zusammenfassen hätte können. Das Blöde ist, dass die Klimaanlage unter der ich somit zwei Stunden saß, eiskalt ist. (Die Klimaanlage ist nämlich an die Außentemperatur gekoppelt, sprich: je wärmer es draußen ist, desto kälter wird es drinnen...) Trotz Pulli war ich froh, als wir den Raum verlassen konnten. Anschließend habe ich beim Official Enrolment meine Student-ID Card bekommen. Damit kann ich billiger ins Kino, krieg unter anderem aber auch bei bestimmten Läden und Bars in Manly Rabatt. (z.B. bei Billabong 10% auf alles, was ich auch schon fleißig genutzt habe...)
Übrigens regnet es grade mal nicht und wir nutzen die Gunst der Stunde und gehen an den Strand. Der ist zwar aufgrund der gefährlichen Bedingungen, bedingt durch das schlechte Wetter der letzten Tage, geschlossen, aber das scheint die Surfer nicht zu stören. Deshalb werden diese im 45 Minuten-Takt über Lautsprecher von den Lifeguards angeschnauzt und gebeten doch bitte an den Strand zurückzukehren.
Pünktlich um sechs Uhr abends zur Aussie Party fängt es wieder an zu schütten. Blöd, dass sämtliche Aktivitäten der Orientation Week auf schönes Wetter ausgelegt sind!
Die Mehrheit flüchtet ins Court Yard Café. Dort regnet es allerdings an manchen Stellen des Daches auch rein. (Irgendwas sagt mir, dass die Menschen hier nicht wirklich auf eine Woche Dauerregen eingestellt sind. Habe auch hier in Manly noch keinen einzigen Gulli gesehen...)
Gegen halb 8 wird die Stimmung trotz tropfendem Dach schlagartig besser. Die Reptile Show mit einheimischen Tieren beginnt.
Zum Glück geht’s erst mal harmlos mit einigen Echsen los. Wir dürfen alles anfassen, teilweise selbst halten, streicheln und fotografieren. Einigen ist nicht wirklich wohl zumute, als Sally der Baby-Alligator zwischen unseren Füßen umher kraucht und seine wirklich sehr schönen gepflegten weißen Zähnchen zeigt. Auch die giftigste Spinne Australiens wird uns präsentiert. Falls wir eine sehen, sollen wir versuchen sie einzufangen, rät uns der Profi. Natürlich ohne uns beißen zu lassen! Dann sollen wir diesen Ranger-Typen Bescheid sagen, die kommen dann vorbei, holen die Spinne ab, saugen ihr das Gift raus, impfen es anschließend einem Pferd, das dann hoffentlich Antikörper entwickelt. Das Pferd bekommt dann Blut abgezapft, woraus dann ein Gegengift gewonnen wird, das dann wiederum ein gebissener Mensch gespritzt bekommt. Übrigens soll man, wenn man gebissen wird, die Wunde nicht auswaschen (auch wenn sie dick und fett anschwillt und furchtbar juckt). Man soll direkt ins Krankenhaus fahren bzw. sich fahren lassen, falls einem schlecht wird und man ohnmächtig wird. Dort wird dann die Haut um die Wunde herum untersucht und es wird festgestellt, was genau einen da überhaupt gebissen hat (Es gibt hier ja noch ein paar Spinnchen mehr).
Donnerstag
Den Vormittag bekommen wir sämtliche Informationen. Unter anderem geht es um unsere Stundenpläne, Dresscode, Mülltrennung, Krankenversicherung etc.
Nachmittags soll eigentlich „Surf Savety“ stattfinden, aber da es schon den ganzen Tag schüttet, ist der Strand geschlossen.
Freitag
Habe heute meinen Stundenplan ändern lassen und meine Wunschfächer. Hoffentlich sind die Vorlesungen auch interessant!
„Surf Savety“ findet statt, da es aufklart. Höre mir allerdings nur die Einführung an.
(Da, wo die Wellen brechen, ist es am Sichersten zu schwimmen! Überall, wo keine Wellen sind, ist ein sogenanntes Rip. D.h. eine Strömung, die einen aufs Meer raussaugt. Praktischerweise wird man, falls man in einem Rip landet, an dessen Ende immer an der Sandbank links oder rechts bei den brechenden Wellen abgesetzt und zurück zum Strand gespült. Sämtliche Surfer nutzen das, damit sie sich nicht dumm und dusselig paddeln müssen, um hinter die brechenden Wellen zu kommen.)
Fürs ins Wasser gehen, ist es mir dann aber doch zu frisch und der Strand ist eigentlich ja auch schon wieder geschlossen. Deshalb dürfen die Mutigen im Hafenbecken von links nach rechts paddeln, da hier so viele Wellen wie in einem Teich sind. Hier schaffen wir es uns unauffällig abzuseilen und garbeln unseren ersten Aldi (Süd) direkt an der Wharf am Hafen auf. Hier gibt es (fast) alles, was das (deutsche) Herz begehrt und wir fühlen uns fast heimisch ;).
Samstag
Hatte mich vormittags fürs Parasailing angemeldet, aber es ist zu windig und (Überraschung!) es schüttet!
Sarah und Melanie kommen mit der Fähre nach Manly (sie studieren zur Zeit in der Nähe von Brisbane und sind auch von der ism aus unserem Semester und im Moment zu Besuch in Sydney).
Abends buchen Jutta und ich über Ostern einen Flug nach Brisbane. Dann werden wir Sarah und Melanie besuchen, die freundlicherweise ein Touri-Programm für uns vor Ort ausarbeiten wollen, damit wir in fünf Tagen soviel wie möglich sehen. Ich freue mich so. (nicht nur weil sie ein Haus mit Pool (!!!) haben.)
Sonntag
Unglaublich: Die Sonne scheint. Also ab an den Strand!
Die Sonne knallt sogar richtig, deswegen investieren Nathalie und ich in einen Sonnenschirm. Der ganze Strand ist rappelvoll. (Wir sind allerdings die einzigen mit Sonnenschirm, dafür aber abends auch ohne Sonnenbrand!) Rike und ich beschließen, dem abendlichen Mahl am College zu entsagen und gehen Sushi essen! (Jetzt, wo ich das schreibe, bekomme ich schon wieder Lust welches zu essen...Es war echt lecker!)
So, morgen wird’s angeblich enst. Bin gespannt.
Viele (endlich) sonnige (!!!) Grüße aus Sydney!
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